Emotionen

Emotionen und Gefühle werden oft als Synonyme verwendet und verstanden. Dabei sind sie keinesfalls das Gleiche, denn ihre Entstehung ist verschieden.

Emotionen sind körperliche Reaktionen und Empfindungen, die nicht direkt von uns beeinflusst werden können. Ein Beispiel: Beim Anblick seiner Traumfrau steigt Andys Puls, Adrenalin und andere Hormone werden ausgeschüttet, seine Hauttemperatur steigt. Es passiert einfach. Er ist Passagier.

Wir nehmen diese körperlichen Reaktionen wahr, können sie jedoch nicht direkt steuern. Personen, die leicht erröten, versuchen dies oft zu unterdrücken – ohne Erfolg. Die Wahrnehmung einer Situation über die Sinne führt zu körperlichen Reaktionen. Diese stossen zwei mögliche Folgeprozesse an:

  • Ein direkter Einfluss auf die Befindlichkeit, z.B. Schmerzempfindung
  • Eine Interpretation im Gehirn, die analysiert, was gerade passiert

Emotionen sind kraftvoll, weil sie direkt und unmittelbar mit unserem Körper verbunden sind. Gelangen sie ins bewusste Denken, so versucht unser Gehirn die Situation zu interpretieren und verstehen.

Gefühle

Das Gefühl ist das Ergebnis dieser bewussten Interpretation, der Analyse der Emotion sowie der Umstände und Umgebung. Oder anders gesagt:

Gefühle sind das gedankliche Produkt aus Emotionen und der jeweiligen Situation.

Die Interpretation ist ein bewusster Prozess, der in alle Richtungen im vernetzten Denkapparat, unserem Gehirn abläuft. Wegen dieser Vernetzungen im Gehirn können wir direkten Einfluss nehmen, anders als bei den Emotionen. Auf Gefühle nehmen wir oft Einfluss, denn wir können unsere Interpretationen von Situationen und damit auch unsere Gefühle verändern.

Gefühle und Motivation

Ideen und Situationen können in uns vielseitige Emotionen und in der Folge Gefühle hervorrufen. Wir sind aufgedreht, fasziniert, ärgerlich oder verunsichert.
Sind die Ideen mit positiven Gefühlen verbunden, so sind wir motiviert , diese Gefühle zu erleben und danach zu streben, wenn möglich.

Emotionen und nachfolgende Gefühle können ausgelöst werden durch eine Idee, selbst wenn überhaupt noch nichts davon umgesetzt ist. Dies ist der Kern der Motivation: Positive Gefühle, die durch eine Idee ausgelöst und entwickelt werden. Die treibende Kraft ist also nicht die Idee an sich, sondern das damit verbundene Gefühl. Ist die Idee mit einem positiven Gefühl verbunden, so gibt dies Antrieb, um sie Realität werden zu lassen, um aktiv zu werden. Dann sprechen wir im Alltag davon, dass wir wissen, was wir wollen und setzen entsprechend Prioritäten.

«Negative» Gefühle sind hilfreich

Gefühle dienen uns nicht nur zur Motivation, sie bieten auch Orientierung. Hemmung und Angst beispielsweise haben dabei wichtige Funktionen: Sie deuten auf Gefahren hin und lassen uns zusätzliche Gedankengänge machen, bis genügend Klarheit für die Umsetzung einer Idee vorhanden ist. Das Hin und Her zwischen Angst und Erwartung von positiven Stimmungen ist ein internes Messgerät fürs Abwägen dafür, wie reif eine Idee ist. Die Formel hier ist auch wieder ein Gefühl. Das Gefühl von Sicherheit, Entschlossenheit kombiniert mit Klarheit und Verständnis. Wenn wir möglichst viele dieser Gefühle und Gedanken berücksichtigen, haben wir ein nützliches Werkzeug zu unserer Orientierung, einen Kompass sozusagen.

Rational vs. emotional

Für Entscheidungen ist ein solcher Kompass gut zu gebrauchen. Manchmal entscheiden wir bewusst, viel öfters jedoch unbewusst. Emotional gefällte, unbewusste Entscheidungen sind leicht für uns, sie verursachen wenig Aufwand im Gehirn und passieren ganz schnell. Rationale, bewusste Entscheidungen sind sehr aufwändig, denn oft herrscht dabei ein Kampf im Gehirn, weil verschiedene Denkprozesse unterschiedliche und oft auch widersprüchliche Aspekte hervorbringen.

Meistens arbeiten der rationale und der emotionale Bereich im Gehirn mehr oder minder harmonisch zusammen, aber es gibt auch andere Situationen, die zu Widersprüchen führen. Stressen Sie sich also nicht allzu sehr, wenn Sie mal nicht gleich wissen, wie sie sich entscheiden sollen. Das ist völlig normal und auch wichtig. Manchmal braucht es etwas länger, um die Balance zwischen Emotionen und der Vielzahl an rationalen Überlegungen zu finden.