Beziehungen

Wir Menschen brauchen Beziehungen, um überleben, uns wohlfühlen und um unsere Bedürfnisse befriedigen zu können. Dafür benötigen wir ganz verschiedene Beziehungen, die auf Wechselseitigkeit gründen : Sei es eine romantische Liebesbeziehung, funktionale Alltagsbeziehungen, tiefe Freundschaften oder oberflächliche Arbeitsbeziehungen.

Beziehungen und Bedürfnisse

Durch Beziehungen können wir Bedürfnisse stillen, die wir nicht selbst befriedigen können. Dadurch entstehen Abhängigkeiten, die aber keineswegs «böse» sind, sondern einen grundsätzlichen Bestandteil von jeder Beziehung darstellen . Bedürfnisse verändern sich und damit verändert sich auch die Beziehung resp. von welchen Menschen wir abhängig sind. Beispielsweise ist ein Neugeborenes von seinen Eltern abhängig, um lebenswichtig versorgt zu werden, später ist es dann abhängig von Klassenkameraden oder Supermärkten. Auch in beruflichen Bereichen sind wir zunehmend von Spezialisten abhängig: Bei Problemen mit dem Netzwerk im Büro brauchen wir den IT-Spezialisten, der uns bei der Lösung hilft.

Beziehungen, Abhängigkeiten und Macht

Wo Abhängigkeiten entstehen, gibt es Macht. Da Macht umgangssprachlich negativ belegt ist, wird hier von Machtdynamik gesprochen. Die Machtdynamik ist im Kern von allen Beziehungen, meistens alltäglich und kann sich immer rasch ändern, wird aber nicht immer wahrgenommen. Beziehungen können in kürzester Zeit entstehen und wieder zerfallen, sie sind genauso dynamisch wie Bedürfnisse. Im Alltag funktioniert das Wechselspiel von Bedürfnissen, Abhängigkeiten, Macht und Anerkennung meistens überraschend gut.

Unser Wohlbefinden ist stark von der Qualität unserer Beziehungen abhängig. Um eine längerfristige Beziehung aufrecht zu erhalten, gerade auch in stürmischen Zeiten, ist es von grosser Bedeutung, die sich verändernden Bedürfnisse immer wieder zu klären. Machtfreie Beziehungen gibt es nicht, aber solche, in denen Macht nicht so spürbar ist. Dies ist der Fall, wenn alle Beteiligten freiwillig das tun, was sie sowieso tun möchten.

Macht ist also an sich nichts Schlechtes, aber wenn sie unangenehm wirkt, sollten wir die Situation genauer anschauen. Das Bewusstsein unserer Abhängigkeiten und der Machtdynamik hilft uns, gekonnter damit umzugehen. Schliesslich können wir weitgehend frei entscheiden, mit wem wir welche Abhängigkeiten eingehen wollen. Dazu müssen wir einerseits unsere eigenen Werte und Vorstellungen kennen, andererseits auch jene der anderen. Es ist wichtig zu verstehen, weshalb sie uns haben wollen oder nicht und wofür sie anerkannt werden wollen. Wenn wir ihre Bedürfnisse, die sie auf uns richten, verstehen, dann erkennen wir auch, worauf unsere Beziehungen gebaut sind. Wir sind so gesehen nicht machtlos, wir können uns anpassen – wenn wir wollen. Anpassungen sind Teil einer Beziehung. Verbiegen wir uns für die Anpassung zu stark, sodass unsere eigenen Werte verraten, dann ist eine vertiefte Auseinandersetzung notwendig.

Dynamik der Bedürfnisse und Beziehungen

Wir haben gesehen, dass sich Bedürfnisse, laufend entwickeln, wie wir uns selbst als Persönlichkeit. Dadurch können auch wichtige Beziehungen irgendwann keinen Sinn mehr machen. Welche Bedürfnisse sind besonders wichtig in Beziehungen?

Von den grundlegenden Bedürfnissen wie Nahrung oder Wärme abgesehen, gehört jenes nach Anerkennung unbestritten zu den wichtigsten. Des weiteren wollen wir gehört und respektiert werden, Einfluss haben und zugehörig sein. Das Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit bleibt lebenslang bestehen und ist wichtig für Grundstimmung, Wohlbefinden, Orientierung und Erfolg . Dies zeigt sich auch in der Hirnforschung: Je besser die soziale Vernetzung, desto weiter entwickeln sich bestimmte Hirnregionen, die unter anderem für Interpretation von Situationen zuständig sind. Die Fähigkeit Erlebnisse zu interpretieren und zu verstehen ist von zentraler Bedeutung für die Orientierung.

Alle diese Bedürfnisse haben eines gemeinsam: Für ihre Befriedigung benötigen wir immer wieder andre Menschen und somit Beziehungen.

Ohne Beziehung und die sich damit entfaltende Möglichkeit der Befriedigung von wichtigen Bedürfnissen ist Erfolg im Leben undenkbar, zumindest Erfolg in einem umfassenden Sinn wie hier im Erfolgs-Modell.