Anerkennung

Das Worst-Case-Szenario eines Jugendlichen ist während des ganzen Lebens aktuell: die Vorstellung, nicht dazu zu gehören, dass ihn eine Gruppe oder die Gesellschaft ausschliesst. Die Angst vor Ablehnung ist grundlegend für uns Menschen.

Umgekehrt gehören Anerkennung und Wertschätzung zu den wichtigsten Bedürfnissen. Die Befriedigung dieser ist Voraussetzung für eine dauerhafte psychische und körperliche Gesundheit. Sich selbst kompetent und von anderen geschätzt zu fühlen, ist dynamisch verbunden mit Akzeptanz sowie auch mit Erfolg und Respekt .

Da wir Anerkennung vor allem durch andere erhalten, ist sie ein wechselseitiger Prozess und an der Basis aller Arten von Beziehungen: Teams , Familien, Freunde und Partnerschaften.

Wir Menschen wollen also anerkannt und gehört werden, nur dann können wir uns entwickeln und Wohlbefinden erleben. Wie erreichen wir das? Erstmal durch Sichtbarkeit.

Ein häufig gewählter Weg sichtbar zu sein, ist die Dekoration. Wir wollen mit Produkten wie neuen Autos, bestimmten High Heels oder anderen Besitztümern uns sichtbar und auf uns aufmerksam machen, aus der Masse hervorstechen. Doch damit tappen wir direkt in die «Deko-Falle». Während unsere Besitztümer im hellsten Glanz erstrahlen, werden wir unsichtbar. Wir sind dann nicht durch unsere Werte und Ideen sichtbar und werden für diese anerkannt, sondern durch unsere materiellen Güter. Dies birgt die Gefahr, sich allein am Produktbesitz zu orientieren und dass persönliche Werte wie Respekt, Zusammengehörigkeit oder neue Ideen in Vergessenheit geraten. Dabei macht uns unsere Identität, unsere Einzigartigkeit erst als Menschen sichtbar. Um eine befriedigende Anerkennung zu erhalten, muss sie mit unserer Persönlichkeit, mit unseren Werten und Fähigkeiten zu tun haben, erst wenn diese durch andere Personen anerkannt werden, steigt unser Wohlbefinden.

Werte und Ideen werden stetig im Austausch mit unserer Umgebung und unserem Umfeld geformt und bilden Identität. Somit sind unsere Werte und unsere Persönlichkeit auch nicht als statisch zu verstehen, sondern sie entwickeln sich laufend weiter.

Sichtbarkeit bildet also die Basis für Anerkennung, welche ein Grundbedürfnis von uns Menschen ist. Sichtbarkeit und Anerkennung wiederum sind Grundlagen für Einfluss.

Das Auge des Einflusses

Einfluss ist deshalb wichtig, weil wir uns damit als Person einbringen können und in der Gesellschaft nicht untergehen. Genau wie Anerkennung ist auch Einfluss ein wechselseitiger Prozess, was bedeutet, dass wir keinen Einfluss nehmen können, wenn uns andere nicht Einfluss nehmen lassen. Wir gewinnen an Einfluss in einer Gruppe durch das Anerkennen der Beiträge und Ideen anderer. Fühlen sich andere Personen gehört und ernst genommen, gewähren sie unsere Einflussnahme und eine natürliche Autorität entsteht. Oftmals wollen wir nur dann Einfluss nehmen, wenn uns etwas wichtig ist oder wir gegenüber einer von mehreren Optionen negative Gefühle haben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir uns nur voll entfalten können, wenn wir unsere Fähigkeiten und Vorschläge einbringen können. Dafür müssen wir erst einmal sichtbar sein, was wir durch Abheben erreichen – allerdings nicht durch Dinge und Besitztümer, sondern durch unsere Werte, Ideen, Fähigkeiten und Talente. Sind wir sichtbar, ist unser Einbringen nur dann möglich, wenn wir in einer Gruppe anerkannt sind, sodass diese unsere Beiträge ernst nimmt. Wir werden ernst genommen, wenn wir im Gegenzug auch andere ernst nehmen und deren Standpunkte verstehen und berücksichtigen.

Sichtbarkeit, Anerkennung und Einfluss sind keine Objekte, die man besitzt. Sie sind dynamische und wechselseitige Prozesse zwischen Menschen.

Weil Anerkennung sowohl beziehungsdynamisch wie auch für das Selbstwertgefühl von zentraler Bedeutung ist, ist sie ein Schlüsselbestandteil des Wohlbefindens und des Erfolgs im Sinne des Erfolgs-Modells.